Der französische Denker André Malraux (1901-1976) schrieb, Goyas Botschaft sei »der niemals endende Gesang der Dunkelheit«. Die Arbeit »Der Gesang der Dunkelheit« von Dörthe Bäumer thematisiert die zeitgenössischen Schreckensszenarien von Terroranschlägen. Neben den Grausamkeiten der Anschläge bildet Terror seinen eigentlichen Stachel aus, indem er fast in Echtzeit über die Kanäle einer global vernetzten Welt in Privatsphären drängt.

11. September 2001, New York – 13. November 2015, Paris – 22. März 2016, Brüssel:
Drei Daten und Orte von Terroranschlägen, zu denen im kollektiven Gedächtnis sofort Bilder aufflackern. Wie nachhaltig sich diese Bilder in die individuelle Wahrnehmung der Welt einschreiben, hat der Amoklauf vom 22. Juli 2016 in München gezeigt: Massenpanik im Hofbräuhaus, Kaufhäuser im gesamten Stadtgebiet verriegelten sofort die Eingänge, Gäste verließen fluchtartig Restaurants und alle öffentlichen Veranstaltungen für den Abend und den folgenden Tag wurden abgesagt.

Mediale Bilder der vier genannten Ereignisse sind mittels einer Transferdruck-Technik Bestandteil der Arbeiten auf Papier innerhalb der installativen Arbeit von Dörthe Bäumer. Durch die Einbettung in großflächig schwarze Bildräume lehnen sich diese Arbeiten formal an die Radierungen von Goya an.

Drei Objekte die fragmentarische, figurative Bezüge haben, verweisen auf die Anonymität und die fehlende Erkennbarkeit von Tätern und Opfern. In Erinnerung bleiben nur Daten, Städtenamen und mediale Bilder. Eine Gegenwart, die Realität auf der Basis von unreflektierten Bildern aufbaut, öffnet das Feld für Ideologien, Fanatismus und Angst. Das Nebeneinander von realem Objekt, fotografischem Transferdruck und zeichnerischer Umsetzung der Formen appelliert an den Mut zu eigenständig reflektierten Weltbildern.

Der Blick auf die Gegenwart fördert ähnliche düstere Zukunftsszenarien wie Goya sie in seinem druckgrafischem Werk formuliert hat. Aber darin, dass er diese Bilder erarbeitet hat und als ein Vorreiter autonomer künstlerischer Artikulation in Serien in den Umlauf gebracht hat, liegt auch ein großes Vertrauen in die Kraft der Kunst.

Beitrag zur Ausstellung stand by me Galerie der Künstler, München, Juli bis August 2017